Interview mit Peter Kreinberg: „TGT® Arbeit an der Hand“

Schulung von Körper und Geist – für Mensch und Pferd

 

 
 
 

 

Seit mehr als 40 Jahren legt Peter Kreinberg seinen Ausbildungs-Schwerpunkt auf eine sinn­gebende und harmonische Kommunikation mit dem Pferd hin zu Leichtigkeit am Boden und unterm Sattel. Die Arbeit an der Hand, also die Arbeit mit Wassertrense und Gerte vom Boden aus, ist stets ein wichtiges Element seiner Methode gewesen. In der TGT® Bodenschule lernen angehende lizenzierte Trainer oder freizeit-orientierte Pferdebesitzer die Grundlagen dazu in der Praxis und können sich aufbauend darauf auch im fortgeschrittenen Umfang mit den Inhalten der „TGT® Arbeit an der Hand“ von Peter oder Rika Kreinberg schulen lassen. Die TGT®-Me­tho­de wird von Reitern aller Reitweisen genutzt, und auch die Arbeit an der Hand findet in jedem Bereich Anwendung.

 

Wieso hat die „TGT® Arbeit an der Hand“ für Sie einen so hohen Stellenwert in der Ausbildung?

In meiner Methodik ist die Bodenarbeit das A und O, auf der sich alles weitere aufbaut. Hier wird eine Verständigungsgrundlage gelegt und die Rollenverteilung in der Zweckgemeinschaft ‚Mensch – Pferd‘ oder ‚Reiter – Pferd‘ geordnet. Pferde sind uns zwar physisch überlegen, nicht aber intellektuell. Objektiv gesehen, kann sich jedes Pferd jederzeit unserer Einwirkung ent­ziehen: durch seine Kraft und Reaktionsschnelle ist es dazu in der Lage. Meine Methode ver­mittelt deshalb eine Verständigungsgrundlage ohne Krafteinwirkung – auf der Basis von taktilen Reizen, welche zu Signalen werden. Man kann das vergleichen mit dem Smartphone heute: dort werden ganz vorsichtig durch Streichen der Oberfläche die Software-Anwendungen aktiviert. Wer drauf drückt oder hämmert, erreicht gar nichts! Ebenso ist es mit den Verhaltensweisen des Pferdes. Mit mechanischer Krafteinwirkung kann ein Pferd nur zeitweilig beeinflusst oder kontrolliert werden, nicht aber dauerhaft. Kommunikative Lösungen sind nachhaltiger und pferde­gerechter. Die Bewusstseinsbildung beim Menschen und beim Pferd steht dabei im Mittel­punkt. In einer Reihe systematisch angeordneter Übungsreihen können entsprechende Fertig­keiten mit der „The Gentle Touch®“-Methode erarbeitet werden.

 

Ist die „Arbeit an der Hand“ sinnvoll, um das junge Pferd auf das Reiten vorzubereiten?

Ja. Ich habe meine Bodenarbeit in vier Komplexe unterteilt:
1. Der erste Teil ist das Führtraining.
Hier geht es darum, dem Pferd auf kurze Distanz im mehr oder weniger direkten Kontakt die Bedeutung von Berührungsreizen als Verständigungsgrundlage zu vermitteln. Es geht weit darüber hinaus, die üblichen Probleme – wie „Pferd schubst“ oder „Pferd zieht“ – zu reduzieren. Taktile Einwirkung aufs Pferd steht im Mittelpunkt.

2. Der zweite Komplex ist die Arbeit mit dem Leitseil
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Hierbei wird das ‚indirekte Gefühl‘ erarbeitet. Das ist dann eine Kombination aus Körpersprache (visuelle Reizsetzung) und Berührungssignalen (taktile Reizsetzung). Bei diesen Übungen wird bewusst auf eine Peitsche verzichtet – nicht, weil ich generell dagegen wäre, sondern, weil der Übende ansonsten dazu verleitet würde, Macht auszuüben oder mechanisch einwirken zu wollen. Er soll aber lernen, dass es die Möglichkeit einer Körpersprache gibt. Dafür benutze ich als Hilfsmittel gern das Knotenhalfter. Es ist ausschließlich für die feine Signalwirkung in der Bodenarbeit gedacht, nicht als Stallhalfter.

3. Der nächste Schritt ist das, was ich persönlich als „Arbeit an der Hand“ bezeichne.
Hier geht es darum, feinmotorisch taktile Reizsetzung, verwahrende Hilfen, seitwärtsleitende Hilfen, vorwärts schickende Hilfen und auf- und abwärts führende Hilfen, die das Pferd einrahmen, erstmals vom Außenbereich des Pferdes in das Pferd zu verlagern. Das ist für mich ein ganz wichtiger psychologischer Schritt, da das Pferd nun mit einer Trense im Maul trainiert wird. Denn für Lebewesen ist generell alles, was außen am Körper ist, normal. Was jedoch in den Körper eindringt, wird zunächst als Fremdkörper betrachtet, welcher erst einmal abgewehrt wird. Wichtig ist hier vor allem, den mit der Touchier-Gerte vermittelten ‚äußeren Hilfenrahmen‘ mit den Berührungsreizen, die im Maul auf Zunge, Lefzen und Maulwinkel wirken, zu verknüpfen. Zunächst stehen die äußeren Körperreize im Vordergrund und werden mit sanften Reizen im Maul kombiniert. Die Maul-Impulse werden nach und nach etwas gesteigert, die Gerten-Impulse mit der Zeit verringert, so dass das Pferd lernt, auf feine Signale des Mundstückes zu reagieren. Die Gerten-Signale bereiten gleichzeitig auf die späteren Schenkelhilfen vor.

4. Der vierte Teil meiner Arbeit ist das Gelassenheitstraining an der Hand.
Dies sorgt dafür, dass auch Ausnahmesituationen bewältigt werden können. So wird zwar nicht das Schreck-Verhalten verhindert, wohl aber das Flucht-Verhalten, so dass das Pferd weder sich noch andere gefährdet. Das Vertrauen in die Führungskompetenz des Reiters wächst zudem enorm an.


Können Sie zum besseren Verständnis eine Beispiel-Übung erläutern?

Nahezu alle Reiter wissen um die angeborene „natürliche Schiefe der Pferde“ und versuchen, dieser Tendenz durch gymnastizierende Lektionen unter dem Reiter entgegenzuwirken. Doch kaum jemand macht sich Gedanken, welche Schiefenwirkung es hat, wenn man Pferde – wie hierzulande üblich – täglich nur auf der linken Seite gehend führt. Deshalb werden alle Übungen, auch die des Führtrainings, wechselseitig von beiden Seiten ausgeführt. Mit verblüffenden Resultaten in der Schiefen-Behandlung.

Der Standard ist, dass Pferde immer nur von links geführt werden. Bei mir gibt es dagegen die „fein­motorische Halfterführigkeit“, das bedeutet geistige und körperliche Anlehnung ohne Kraft. Es ist die ideale Form der Anlehnung, die ja keine physische Stütze sein soll, sondern eine Verbindung zwischen zwei Wesen. Von der Anlehnung geht es zur Losgelassenheit. In dieser Hinsicht gibt es eine Menge Übungen. Kopf senken, seitliches Beugen, Tritte vorwärts, rückwärts und diagonal. Die beidseitige Führ-Arbeit wird bei mir immer praktiziert. Die Schaukel­übung – vorwärts, rückwärts, gerade – ist eine weitere gute Übung, welche auf die Versammlung und andere Aspekte der Reitlehre Einfluss nimmt.


Ist die „TGT® Arbeit an der Hand“ für alle Reitweisen anwendbar?

Ja, die Methode lässt sich auf alle Reitweisen anwenden. In unseren Seminaren und auch in unserer TGT®-Trainerausbildung Bodenschule lernen Reiter aller Reitweisen und Pferde aller Rassen. Ganz gleich aus welchem Hintergrund ein Reiter-Pferd-Paar kommt, kann die Arbeit an der Hand sinnvoll genutzt werden. Menschen lernen, durch fachliche Aufklärung und Hand­habung feinfühliger zu werden. Sie lernen, Ausrüstung zu verstehen und Muskulatur und physische Aspekte des Pferdes zu beurteilen. Pferde können bei sachgemäßer Ausbildung lernen, sich dem Menschen mit Körper und Geist vertrauensvoll hinzugeben. Die Arbeit an der Hand schult das Pferd mental und körperlich.

 

Inhalte zur TGT® Bodenschule lesen Sie hier.